Psychiatriepolitik

 

Psychiatriepolitik



Neben dem Erfahrungsaustausch untereinander sind wir auch im Gespräch mit Angehörigen, professionellen Mitarbeiter/innen der Psychiatrie und psychiatrischen Einrichtungen. Wir beteiligen uns an kommunalen Psychiatrie- und Gesundheitsgremien und stellen unsere Interessen in der Öffentlichkeit dar.

Unsere Ziele:

  • Sicherung der verfassungsmäßig garantierten Grundrechte auf Schutz der Menschenwürde und Persönlichkeit für Psychiatrie-Patient/innen, insbesondere bei psychiatrischen Maßnahmen.
  • Wege zum Verzicht auf staatliche und "therapeutische" Gewalt an Psychiatrie-Patient/innen zu initiieren.
  • Verbesserung der rechtlichen, sozialen, ökonomischen Stellung und Rehabilitation von Psychiatrie-Patient/innen und Abbau von Vorurteilen.
  • Berücksichtigung des subjektiven Erlebens und Befindens von Psychiatrie-Patient/innen bei der psychiatrischen Behandlung.
  • Ausbau ausreichender ambulanter, vorbeugender, begleitender und nachgehender Hilfen einschließlich alternativer Hilfeangebote sowie die Einbeziehung Psychiatrie-Erfahrener bei der Entwicklung und Planung der Hilfesysteme.
  • Schaffung und Erhaltung existenzsichernder und arbeitsfördernder Leistungen.
  • Aufarbeitung der NS-Psychiatrie-Verbrechen und Rehabilitierung ihrer Opfer, sowie der Denkweise vom "lebensunwerten Leben", wie sie z. T. in der Bioethik zunehmend in den Vordergrund rückt, entgegenzutreten.
  • Interessenvertreter zu sein für diejenigen, die durch psychiatrische Maßnahmen mundtot sind.


Was heißt dies konkret?
Das für uns wichtigste Forum ist der sog. Trialog. Dort treffen sich vierteljährlich Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige psychisch kranker Menschen und professionelle Mitarbeiter/innen der Psychiatrie, um sich gegenseitig zu informieren, (manchmal kontrovers) zu diskutieren und gemeinsame Arbeitsgruppen zu bilden. Ergebnisse solcher trialogischen Arbeitsgruppen sind z.B. die Behandlungsvereinbarung, die Errichtung eines Mahnmals zum Gedenken an die Opfer der Zwangssterilisationen in den v. Bodelschwingschen Anstalten in Bielefeld zur Zeit des Nationalsozialismus, die Trialog-Webseite, das inzwischen alle zwei Jahre stattfindende Psychiatrie-Seminar (öffentliche Tagung) u.v.a.m..


Beschwerdestelle für Psychiatrie: Seit 1998 gibt es in Bielefeld eine unabhängige Beschwerdestelle für Psychiatrie. Sie ist paritätisch mit Betroffenen, Angehörigen und professionellen Mitarbeiter/innen besetzt und behandelt Beschwerden Bielefelder Bürger/innen, die sich auf psychiatrische Einrichtungen in Bielefeld beziehen.

Beschwerdestelle für Psychiatrie
Sprechzeiten: Donnerstags von 16-17 Uhr | Telefon: 0521 / 13 35 61 | Breite Straße 8, 33602 Bielefeld | E-Mail: Beschwerdestelle-fuer-Psychiatrie-Bielef@web.de

Beschwerden können schriftlich, telefonisch oder persönlich vorgebracht werden.


Behandlungsvereinbarung:
Die Bielefelder Verhandlungsvereinbarung ist eine von Psychiatrie-Erfahrenen und der Psychiatrischen Klinik Gilead IV in Bielefeld gemeinsam entwickeltes Projekt. Die Behandlungsvereinbarung ist ein Formular, in dem ehemalige Patient/innen der Klinik Vorsorge treffen können für einen evtl. zukünftigen Klinik-Aufenthalt. In diesem Formular können Psychiatrie-Erfahrene beschreiben, was für sie während einer psychischen Krise wichtig und hilfreich ist, und was als nicht hilfreich erlebt wird. In Absprache mit der Klinik können ggfs.auch bestimmte Verfügungen getroffen werden, inzwischen hat die BV die Verbindlichkeit einer Patientenverfügung. Ebenso enthält die Behandlungsvereinbarung die Möglichkeit, eine Vertrauensperson für den Fall einer Krise / eines Klinikaufenthaltes zu bevollmächtigen.

Nähere Informationen unter der Vereinsadresse (Willkommen) oder in der Psychiatrischen Klinik Gilead IV, Ansprechpartnerin Frau Brandtner, Tel. 0521-77278 559

 

Psychose-Seminare: Die Psychose-Seminare finden ca. jedes zweite Semester in der VHS Bielefeld statt, und werden jeweils von professionellen Mitarbeiter/innen, Angehörigen und Psychiatrie-Erfahrenen gemeinsam moderiert. Alle beteiligten Gruppen können dabei miteinander über ihre jeweilige, manchmal sehr unterschiedliche Sichtweise von Psychosen ins Gespräch kommen. Insbesondere können Psychiatrie-Erfahrene ihr subjektives Erleben der Psychose darstellen - ohne Angst vor Konsequenzen bei der eigenen Behandlung. Auch nichtbetroffene, interessierte Bürger/innen können teilnehmen (Themen und Termine).


Beteiligung an kommunalen Gremien: Mitglieder des VPE Bielefeld sind derzeit in folgenden psychiatrie- oder gesundheitspolitischen Gremien vertreten:

  •         Psychiatrie-Beirat der Stadt Bielefeld
  •         Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft
  •         AK "Frauen und Psychiatrie"
  •         Plattform ARbeit und Beschäftigung

    Überregionales: Einige Mitglieder des VPE sind im Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (Links) aktiv.
    Ferner halten wir Kontakt zu Psychiatrie-Erfahrenen-Initiativen aus der näheren Umgebung: Herford, Gütersloh, Detmold, Paderborn, Bad Salzuflen, Bünde, Minden, sowie auch anderswo in der Bundesrepublik.